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Diese Helden wollen die Eintracht schlagen
erschienen am 01.07.2017 | TAUNUS ZEITUNG

Der Sonntag ist ein Tag, um Helden zu küren. Im dritten Anlauf versucht das Naturpark-Team die Eintracht Traditionsmannschaft zu schlagen. Die TZ hat das Training unserer wackeren Kämpen besucht.


VON MARC KOLBE
Noch am Donnerstag wirkt Dieter Kraft gezeichnet von dem „knallharten Training“ vom vergangenen Dienstag. „Mir tut alles weh“, röchelt der scheidende Bad Homburger Stadtrat nach dem einstündigen Training in Merzhausen. Der Grünen-Politiker kann sich trösten, seinem „ein paar“ Jahre jüngeren  Parlamentskollegen Okan Karasu (Linke) ging es die Tage auch nicht besser. „Meine Knöchel sind wie Pudding.“ 40 Jahre so glaubt Dieter „die Banenflanke“ Kraft habe er gegen keinen Fußball mehr getreten – na immerhin, so alt muss Okan erst mal werden.


7:2 verlor das Naturpark-Taunus-Team 2015 gegen die Eintracht-Traditionsmannschaft, im vergangenen Jahr endete das Match 5:3. Legt man das Gesetz der Serie zugrunde und glaubt an mathematische Spielchen, könnte dieses Jahr ein 4:4 drin sein. Landrat Ulrich „die Katze“ Krebs (CDU) ist da nicht ganz so optimistisch: „Gut aussehen und nicht zweistellig verlieren“, lautet seine Maxime. Typisch Torhüter. Kraft lobt derweil: „Krebs ist im Tor ein Schlangenmensch und absolut furchtlos.“ Ja, Krebs ist auch ein Kämpfer. So erinnert er daran, dass sein Team im vergangenen Jahr zumindest bis zur Pause vorne gelegen habe.


Der Mann von Motor Halle
Dann wurde Norman Dießner eingewechselt. Es wäre jetzt im höchsten Maße unfair, die Niederlage, die es am Ende setzte, am Fraktionschef der Grünen im Kreistag festzumachen. Denn der Mann, der stets die belgische Torwartlegende Jean-Marie Pfaff verehrte, versteht was von seinem Fach. „Ich stand schon in meiner Jugend im Tor.“ Erst bei Rotation und Motor Halle, später, als Senior, bei Rodheim und Bommersheim.


Der Grüne Dießner und der Schwarze Krebs als Team im Tor? Die beiden standen sich vor Jahren doch noch im Landrats-Wahlkampf gegenüber – kein Thema: „Im Fußball spielen wir uns die Bälle zu“, sagt Dießner, dessen Markenzeichen sein modisch schwer zu definierendes Spinnennetz-Trikot ist. Dießner: „Eine Spinnerei.“ Apropos Outfit – hier schießt Dieter Kraft den Vogel ab. Radlerhose und ärmelfreies Leibchen, da kann Christiano Ronaldo einpacken. Also zumindest äußerlich. Für die spielerischen Akzente muss morgen Uwe Fink sorgen, seines Zeichens tödlicher Passgeber und Referent des Landrats. Früher kickte er für Emmershausen, jetzt ist er für die Alten Herren vom FC Laubach am Ball. Wie kam es zum Transfer ins Naturpark-Team, Eine Zwangsverpflichtung? „Nein“, lacht Fink, „das mache ich freiwillig.“ Bei den ersten beiden Partien war er auch schon am Ball. „Jedes Mal eine Riesen-Gaudi.“ Sein Ziel für Sonntag: „Ein Tor schießen.“


Berühmte erste Worte
Dieter Kraft bezeichnet das Spiel als „Höhepunkt meiner politischen Laufbahn“. Kein Wunder, ist er doch strammer Eintracht-Fan. Seine ersten Worte: „Mama, Papa, SGE!“ Dieses seltsame Phänomen zieht sich übrigens durch die gesamte Familie Kraft. Sein Vater hat ihn damals das erste Mal mit ins Stadion genommen. Und mittlerweile ist auch Enkeltochter Käthe ein glühender Verehrer der Adler-Buben – und das, obwohl die Vierjährige in Berlin lebt.


Mit der Eintracht halten es übrigens auch viele der Mannschaftskameraden. Krebs war erst kürzlich beim Pokalfinale und auch Okan hält es mit der Diva vom Main (puuuh, bald fallen mir keine Synonyme mehr für die Eintracht ein). Weilrods Bürgermeister Götz Esser hingegen hält es mit dem FC Köln. Während Karasu behauptet, dass das Schwergewicht der heimischen Fußballszene deswegen nur den Anstoß ausführen darf, macht Krebs dafür die anstehende Eheschließung Essers verantwortlich. „Er soll dort in einem Stück auftreten.“ Doch mit einer Ausnahme im Team müssen die SGE-Fans wohl leben: Dießner hält es mit dem Halleschen FC und den (nicht zu unrecht so bezeichneten) Super-Bayern.


Pudding auf der Bank
War Kraft im politischen Raum der geborene Troubleshooter, weiß er noch nicht so genau, wo er seinem Team am Sonntag helfen soll. Fink will im offensiven Mittelfeld Präsenz zeigen. Und Karasu sieht sich im Sturm und auf der Bank. „Vielleicht sitze ich ja durchgehend auf der Bank und werde nur bei ruhenden Bällen eingewechselt. Die sind nämlich meine Spezialität.“ Hauptsache die Knöchel halten und werden angesichts von Namen wie Manfred Binz, Ronny Borchers oder Cezary Tobollik nicht zu Pudding.

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